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Unverhofft kommt oft

Eigentlich hatten wir andere Pläne gehabt, aber aus familiären Gründen fuhren wir nach Potsdam und nahmen die Boote mit "falls wir doch die Zeit finden etwas zu paddeln". Bei den Wassersportfreunden Pirschheide im südlichen Teil Potsdams am Templiner See gelegen hatten wir uns angemeldet um dort unser Zelt aufzuschlagen. Als wir dort am Freitag ankamen wurden wir gleich mit den Worten begrüßt "Ihr kommt für die Schlösserfahrt?". Nee, davon wußten wir nichts. Neugierig geworden ließen wir uns erzählen worum es ging und dachten nur "Wow, wenn wir es neben den Terminen schaffen dann müssen wir da mit."

Das Programm klang vielversprechend. Nach und nach füllte sich das Vereinsgelände, immer wieder kamen Autos mit Kajaks auf den Dächern an, Kennzeichen aus allen Regionen Deutschlands. Kein Wunder, wurden doch insgesamt 120 Teilnehmer erwartet. Die Teilnehmerzahl war gedeckelt, so bekannt und beliebt ist die Tour von der wir bis dahin noch nichts gehört hatten. Zu unserer Freude konnten wir es einrichten an der Tour teilzunehmen. Und so ging es am Samstag nach einer kleinen Eröffnungsrede zusammen mit 118 anderen Kanuten aufs Wasser. Erstaunt waren wir wie flott und geordnet es vonstatten ging, hatten wir doch Szenen wie bei der Eröffnung des Sommerschlußverkaufs erwartet. So ging es dann in südliche Richtung vom Templiner See über Schielowsee, Zernsee auf die Havel. Viel Natur und immer wieder kleine niedliche Orte am Ufer so daß es immer abwechslungsreich war.

In Nattwerder machten wir Pause, auch hier wieder erstaunlich wie reibungslos das Anlanden so vieler Boote ablief. Dicht an dicht lagen die Kajaks im hohen Gras, ich glaube ich verwendete schon das Wort "beeindruckend". Zur Stärkung gab es für die Teilnehmer Erbsensuppe aus der Gulaschkanone, lecker! Aber es wurde nicht nur gepaddelt. Teil des Programms war ein Spaziergang zur Kirche Nattwerder, dort erzählte uns der Orgelbauer kurzweilig etwas über die lokale Geschichte. Daß ganze Familien aus der Schweiz angeworben und umgesiedelt wurden um das Land urbar zu machen und zu bewirtschaften löste allgemeines Erstaunen aus. Zum Schmunzeln war die Geschichte der Orgel die von Beginn an schiefe Töne machte. Nach der Pause gab es dann die Möglichkeit wie auf Hin zurück zum Verein zu paddeln oder weiter im Uhrzeigersinn über Wublitz, Schlänitzsee, Sacrow-Paretzer-Kanal, Jungfernstieg, Tiefer See, Alte Fahrt zurück zum Verein am Templiner See. Wir entschieden uns für die zweite Variante.

Waren Wublitz und Schlänitzsee schön, so war der Abschnitt auf dem Sacrow-Paretzer-Kanal etwas eintönig und leider nervten auch noch die Hausboote. Diese fuhren mit 6km/h genau unser Tempo, so daß wir deren Getucker und der Partymusik nicht entkamen. Nach dem Kanal wurden die Ufer wieder interessanter und es wurden auch mehr Sportboote auf dem Wasser. Nun hatten wir wieder was zu sehen und waren auch die Hausboote los. Im Hintergrund zeichnete sich schon Potsdam ab, rechts tauchte das Schloss Cecilienhof auf, kurz später Schloss Glienicke und die schöne Glienicker Brücke unter der wir hindurch paddelten. Und schon wieder ein Schloss! Schloss Babelsberg mit dem Dampfmaschinenhaus, das auch wie ein kleines Schloss aussieht. Durch die Alte Fahrt vorbei an Freundschaftsinsel und Potsdams Innenstadt. Prunkvolle Häuser und DDR-Wohnblöcke, die dem Brutalismus zuzuordnen sind, bilden interessante Kontraste. Zu viel um jedes Detail hier zu beschreiben. Wenige Windungen später waren wir wieder am Verein. Eine tolle Tour! 36km auf stehendem Gewässer ziehen an den Armen und machen Hunger. Zum Glück wissen das die Wassersportfreunde, für eine erste Stärkung gab es ein Kuchenbuffet. Abends dann noch allerlei vom Grill und sogar Livemusik, so daß sich einige dazu hinreißen ließen das Tanzbein zu schwingen. Nach und nach lichteten sich die Reihen, man hörte das "zzzt" der Reißverschlüsse der Zelte und Schlafsäcke und auch wir krochen müde und glücklich in unser Zelt.

Am Tag 2 ging es zur 5 km entfernten Freundschaftsinsel in Potsdam. Hier wurden wir in Gruppen aufgeteilt und wir machten eine Stadtführung. Wer da denkt "oh Gott, tausend Jahreszahlen die man nach spätestens einer Stunde wieder vergessen hat" der irrt. Anekdoten zur jüngeren und älteren Stadtgeschichte wurden interessant erzählt. Nach der Stadtführung ging es dann eigenständig zurück zum Verein. Da uns noch der vorherige Tag in den Gliedern steckte waren wir nicht traurig für diesen Tag nur 10 km ins Fahrtenbuch eintragen zu können. Die offizielle Tour war hiermit vorbei. Ab dem Nachmittag wurden die Zelte und Kajaks weniger.

Einige Paddler - so wie wir auch - blieben länger und erpaddelten die Gegend. Zu entdecken gibt es genug, eine Fülle von Möglichkeiten ist vorhanden. Empfehlen können wir zum Beispiel eine Tour ab Pirschheide über den kleinen und den großen Wannsee, vorbei an prächtigen Villen und am Haus der Wannsee-Konferenz. Oder auch zur Insel Werder mit niedlichen kleinen Häusern und Hafen. Anderes wie Klein Venedig und Spandau stehen auch noch auf unserer to-do-list. Fazit: Gutes kommt oft unverhofft. Der WSF Pirschheide eignet sich gut als Startpunkt für schöne Touren. Ob nun zur Schlösserfahrt oder abseits der Massen zu privat organisierten Touren. Ein netter Verein den wir in guter Erinnerung behalten (Text/Fotos: Karsten).

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