logo

Ich war im Oktober für eine Woche auf einer DKV Verbandsfahrt, ausgerichtet von den Marburgern ,auf der Lahn. Die Tour wird seit etlichen Jahren durchgeführt und scheint ein echter Klassiker zu sein. Diesmal waren 16 Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands dabei. Eine tolle Truppe aus 12 Wiederholungstätern und 4 Neuen.

Wir starteten ab Roth bei Kilometer -26,3 km. Die Kilometrierung der Lahn ist etwas merkwürdig. Kilometer 0 ist mittendrin, irgendwie historisch bedingt.  

Die erste Etappe führte bis Wieseck kurz vor Gießen. Den ersten Gemeinschaftsabend verbrachten wir also im Gasthaus der mittelalterlichen Badenburg, wo 1760 Georg Büchner mit „Krieg den Palästen, Friede den Hütten“ die Bauern zum Aufstand aufrief. Es gab dort rustikale Hausmannskost à la carte, z.B. Knochen zum Abnagen (kein Witz!)

Auf den ersten Kilometern passierten wir einige Bootsgassen, eine Ampel-Bootsgasse, eine Treidelgasse und eine ziemlich lange Rollenbahn mit Kurven. Im Oberlauf der Lahn mussten die relativ vielen Schleusen noch per Hand bedient werden (kurbel, kurbel, kurbel…), später gab es Servicepersonal, was allerdings 12- 13 Uhr Mittagspause und um 18.15 Feierabend macht. Zeitplan einhalten!    

Die Lahn durchfließt eine Landschaft wie sie schöner und abwechslungsreicher nicht sein könnte.   Lange Strecken der Lahn sind Naturschutzgebiete, in denen alle paar Kilometer Eisvögel vorne weg flogen (oder war es immer derselbe?). Auch die üblichen Graureiher und Kormorane waren nahezu massenhaft vertreten. Die Laubfärbung hatte bereits eingesetzt, so dass wir bei kuscheligen 24 Grad und Sonne zumindest die ersten Tage einen wunderschönen goldenen Herbst hatten. Die Lahn fließt bedächtig bis flott. Immer wieder gibt es leichte Stromschnellen, so dass es etwas dann munterer wird. Man passiert allerdings auch eine Slalomabfahrtstrecke. Mit allzu empfindlichen Booten ist es daher nicht zu anzuraten. Einen Epic hat’s erwischt.  

Ab Wetzlar wird es dann deutlich kultureller. In Villmar führt die Lahn unter der einzigen Marmorbrücke Deutschlands durch. Fand ich aber nicht so spektakulär. Interessanter war die Besichtigung des Steinbruchs und die geologische Führung. Die mittelalterliche Burg Runkel aus dem 12. Jahrhundert war eine tolle Überraschung. In Runkel ist dann das erste Mal ein Boot allein losgeschwommen. War auch ´ne Überraschung! Eindrücklich war auch der Weilburger Kanutunnel. Um die Transportstrecke abzukürzen, wurde 1844 ein Schiffstunnel direkt unter der Stadt gebaut. Hier wird ca. 200m ins völlige Dunkel hineingefahren. Hinaus kommt man nur, wenn zuvor jemand noch im Tunnel aus dem Boot die Steigleiter hochklettert und die Schleuse bedient. Es handelt sich hier um eine Selbstbedienungsdoppelkammerschleuse, nicht ganz einfach. Wenn nämlich die obere Kammer leer ist, muss man…..Logikrätsel. J Die nächste Etappe war die Domstadt Limburg (ja, wo der Bischoff die goldene Badewanne hat- reines Gerücht). Hier haben wir eine Architekturführung bekommen. Ich kann jetzt locker westfälischen von hessischen Fachwerk unterscheiden. Hinter Limburg öffnet sich das Tal für einige Kilometer und wird lieblicher. Wir machten Pause in Diez unterm Grafenschloss und passierten dann Fachingen (genau, Mineralwasser!). Oben liegt die Burg Schaumburg auf ca. 400 m, jetzt wieder Mittelgebirgsfeeling. Mittlerweile bei Kilometer 100 kommen wir zur 7 km langen Lahnschleife in Cramberg. Hier wird die Lahn geteilt. Wir paddeln den ewig langen (stehenden) Bogen und der Hauptstrom geht zur Energiegewinnung durch den Berg. Ab KM 111 in Obernhof hört der Wald auf und an den Steilhängen wächst Wein. Und ganz oben thront das Kloster Arnstein (Anno Domini 1052), was wir natürlich besichtigen. Die Nonne Ilka berichtet, was sie dazu gebracht hat, mit 22 Jahren in das Konvent einzutreten. Sehr interessant. Wieder unten, auch interessant, stellen wir fest, dass ein Boot allein losgeschwommen ist - nur gibt es hier etwas mehr Strömung. Nächste Etappe ist Dausenau mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer direkt am Fluss und der romanischen Pfarrkirche von 1179, in der wir Kaffee und Kuchen gereicht bekamen. Bei KM 129 taucht das Kaiserbad Bad Ems quasi aus dem Nichts auf. Man rechnet nicht wirklich mit einem prunkvollen Grand Hotel, Spielkasino und Thermalbad am Lahnufer. Letzte Etappe auf der Lahn bevor auf es auf den Rhein ging, war Lahnstein. Hinter der letzten Lahnschleuse nochmal Pause und Blick auf Burg Stolzenfels, dann schwuppdiwupp noch eine Tagesetappe auf dem Rhein, am deutschen Eck in Koblenz vorbei, unter der Seilbahn nach Ehrenbreitstein durch und auf nach Vallendar am rechten Rheinufer. Dann „schnell“ die Autos aus Marburg geholt und letzter Gemeinschaftsabend beim Italiener. Und ach ja: Übernachtet wurde bei Kanustationen, bei den Ruderern, einmal bei den Eisenbahnern (in Arfurt/Runkel) und einmal in einer richtigen Pension (in Laurenburg) . Insgesamt eine tolle Tour! Würd ich glatt nochmal machen, irgendwann.

Vibeke

 

Lahntour von Vibeke kl Lahn

Lahn

 

Lahntour von Vibeke kl Runkel

Runkel

 

Lahntour von Vibeke kl Weilburg

Weilburg

 

Lahntour von Vibeke kl Bad Ems

Bad Ems

 

© 2019 Kanusport Harburg e.V. von 1953
Joomla! 3.9.8/ Template Design by vonfio.de