Der Start zur 50. Vogalonga fiel zünftig mit einem Kanonenschuss um 9 Uhr am Markusbecken direkt vor dem Markusplatz. Für die Anreise von unserem Quartier in Punta Sabbioni planten wir nochmal eine gute Stunde Anfahrt ein und zudem ein bisschen Reserve für das Einsetzen der Boote, da gefühlt der halbe Campingplatz ebenfalls für die Vogalonga angereist war. Und so war verabredet, sich um 6.15 Uhr mit fertig gepackten Booten zu treffen und zu starten. Ich konnte schon um 4 Uhr morgens vor lauter Aufregung nicht mehr schlafen und stellte fest, dass ich nicht die einzige war. Es war schon ein recht geschäftiges Treiben zu dieser frühen Uhrzeit.
Nach Ankunft im Markusbecken war noch Zeit um kurz Luft zu holen, die Sonnencreme nochmal aufzufrischen und die vielen verschiedenen Boote zu bewundern. Es war eine aufregende Atmosphäre und mit Kanonenschuss fuhren alle jubelnd los. Wie schon von erfahrenen Vogalongistas angekündigt, zog einen die Menge sofort mit und es paddelte sich wie von selbst. Die ersten Kurven mit leichten Verengungen waren kein Problem, war uns doch eingeschärft worden „Nie die Innenkurve nehmen!“ – dort hakt es sonst nämlich gerne bei den großen Booten, die es nicht um die Kurven schaffen.
Wie im Flug verging die Zeit vorbei an der Gemüseinsel St. Erasmo bis zum Wendepunkt der Strecke in Burano. Dort gab es dann den ersten richtigen Stau. Ein Ruderboot hatte sich verkeilt und sofort hingen wir zwischen anderen Booten fest. Da sich auf der offiziellen Strecke erstmal nichts mehr bewegte, fuhren wir in einen kleinen Kanal, der uns ein Stück durch Burano führte und mit einem Umweg zurück zur Hauptstrecke brachte.


Dann folgte ein langes Stück über die Lagune bis Venedig. Entgegen meiner Erwartungen (langes Stück, nicht viel zu sehen, schon erledigt vom Anfang der Strecke) lief es auch hier prima. Das Wasser war warm, es gab kaum Wellen, dafür eine leichte Brise und nochmal Zeit, die Boote um einen herum zu betrachten. Es gab schön geschmückte Boote, Besatzungen, die ihre Bekleidung perfekt aufeinander abgestimmt hatten und viele Bootstypen wie z.B. ein niederländisches Rettungsruderboot, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Viele hatten sogar eigene Rufe oder Lieder, um sich zu motivieren. Eine entspannte und tolle Atmosphäre.
Mit der Entspannung war es dann an der Einfahrt zum Canal Grande allerdings schnell vorbei. Viele hundert Boote versuchten gleichzeitig in den Kanal einzufahren, dabei legten sich die langen Boote immer wieder quer und es ging weder vor noch zurück - noch deutlich schlimmer als in Burano. Ich brauchte beide Hände um mir Platz zu verschaffen. Es gab zwar einige Drängler, aber auch sehr viele nette Mitpaddler, die versuchten sich gegenseitig zu helfen und darauf zu achten, dass keiner in dem Gewühl kenterte oder anders zu schaden kam. Nichtsdestotrotz wurde ich von meiner Mitpaddlerin getrennt und wurde in der prallen Sonne eingeklemmt in dem Chaos eine Dreiviertelstunde gedörrt. Irgendwann ging es dann doch weite - Taucher halfen den quer liegenden Booten wieder auf Kurs und plötzlich hatte ich den Canal Grande fast für mich alleine. Alle Stausorgen waren schnell vergessen. Hinter einer Kurve tauchte dann auch noch meine verlorengegange Mitpaddlerin auf, die die ganze Zeit auf mich gewartet hatte (Vielen Dank dafür!!!) und wir konnten die letzten Meter der Vogalonga unter der Rialtobrücke durch im Canal Grande voll genießen.
Was bleibt: Stolz die Strecke geschafft zu haben; viele unbeschreiblich schöne Erinnerungen und Gänsehautmomente und viel Freude und Dankbarkeit, dabei gewesen zu sein und dann noch ein Kratzer im Paddel von dem venezianischen Ruderboot kurz hinter der Rialtobrücke, das dachte Kajak-Fahrer haben einen Knopf um sich schlagartig in Luft aufzulösen und die Erkenntnis, dass mich wohl kein Stau in Hamburg mehr so schnell aus der Ruhe bringen wird ;)

Text: Constanze L. Fotos: C.L., H.K.
