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Nach reichlichem Abwägen entschieden wir Mitte Mai, uns für den 15. Hiddenseemarathon als Mix-Team zu melden. Mit einigen Paddelkilometern vorab und Floppes Erfahrung bei seiner Teilnahme im Einer im vorhergehenden Jahr, fühlten wir uns für die 70 Kilometer lange Strecke gewappnet.

Den passenden Zweier hatten wir bereits bestellt - unsere Wahl war auf einen Nelo Waterman gefallen. Der Marathon nahte unaufhaltbar. Das Boot, welches in Portugal gefertigt wird, war jedoch nicht in Sicht. Eine reichliche Woche vorm Termin erhielten wir durch den Händler die Nachricht, welche wir insgeheim bereits erwarteten: Euer Boot wird nicht rechtzeitig da sein.

Nun galt es eine Alternative zu finden. Einfach auf die Einer-Kajaks umzusteigen war für mich nur schwer vorstellbar. Nicht die Länge der Strecke bereitete mir besondere Sorgen, aber allein auf tosender See unterwegs zu sein, war wenig verlockend. Fünf Tage vorm Marathon fanden wir Zeit zum Bootshaus des Oberalster VfW e.V. zu fahren. Im Bootsbestand befindet sich ein langer, schnittiger, teilbarer TM Express-Zweier, welcher nur selten aufs Wasser kommt. Wir entstaubten die alte Lady - vermutlich die Älteste von uns Dreien und los ging es. Nach einer Testrunde von knapp 11 Kilometern, bei denen es nicht zu schmerzenden oder eingeschlafenen Körperteilen kam, entschieden wir, dass eine Teilnahme am Marathon mit diesem Kajak möglich wäre. Eine bereits vorhandene Startnummer „3“ inspirierte uns dazu, es auf den Namen „Plan B“ zu taufen. Dies konnte unkompliziert mit Edding ergänzt werden und sodann, neben Bootstyp, Farbe und Name sowie Alter der Besatzung, an die Veranstalter übermittelt werden.

Beim Hiddenseemarathon, welcher vom Stralsunder Kanu Klub bereits zum 15. Mal organisiert wurde, gilt es, die Insel Hiddensee zu umrunden, wobei sich Start und Ziel in Stralsund befinden. Abhängig von den Wetterverhältnissen kann die Streckenführung auch verändert oder die Fahrt, beispielweise bei aufziehendem Gewitter, vorzeitig abgebrochen werden. Denn die Sicherheit aller Teilnehmenden steht an erster Stelle. Um diese zu gewährleisten wird das Teilnehmerfeld der Paddler engmaschig von kleinen motorisierten Booten begleitet. Verteilt im Streckenverlauf gilt es vier Posten zu passieren und diese zu bestimmten Zeiten auch erreicht zu haben, um nicht aus dem Rennen genommen zu werden. Denn bis spätestens 18 Uhr sollen alle das Ziel erreicht haben können.

Am Vorabend des Marathons werden bei einer obligatorischen Einweisung alle wichtigen Informationen an Frau und Mann gebracht. Neben sicherheitsrelevanten Details, gibt es vor allem Spannendes und Wissenswertes zur Strecke selbst zu hören, denn weite Teile der Reise führen durch den Nationalpark „Vorpommersche Boddenküste“. Schließlich werden alle Teilnehmenden mit einer weithin sichtbaren, leuchtenden Schirmmütze ausgerüstet.

Samstagmorgen war es dann soweit. Die Sonne war bereits Bilderbuch-schön aufgegangen und tauchte die Silhouette Stralsunds in ein herrliches Morgenlicht. Der Wind blies mäßig aus Nordost und sollte nur wenig auffrischen. Das schon gut vorbereitete, mit acht Litern Wasser, unzähligen Müsliriegeln sowie Bananen und mit reichlich Sitzkissen bestückte Boot konnte nach einem kurzen Frühstück zu Wasser gelassen werden. Alle Starter des ersten Startes (Bekanntermaßen schnellere Paddler starten eine Stunde später, um das Teilnehmerfeld dichter zu halten.)wurden noch einmal namentlich aufgerufen und kurz nach sechs Uhr ging es los.

Schon bald fanden sich Gruppen zusammen, die schnelleren Paddler zogen mit kräftigen Schlägen im gleichmäßigen Rhythmus durch den Strelasund davon. Schön, wenn jemand vorne fährt, dem die Strecke bekannt ist. Denn nach nicht langer Zeit hieß es, dass richtige Tonnenpaar anzusteuern, um im weiteren Verlauf der Fahrrinne Richtung Barhöft und der Südspitze Hiddensees, folgen zu können. Links und rechts von dieser ist das Wasser oft nur wenige Zentimeter tief, zudem dürfen ein Großteil der Flächen aus Naturschutzgründen gar nicht befahren werden.

Nach etwa 15 Kilometern erreichten wir den ersten Streckenposten, ohne Schwierigkeiten innerhalb der dafür maximal vorgesehenen drei Stunden. Und genau zum richtigen Moment, um die nach vorn verrutschte Fußstütze samt Steueranlage richten zu können und mal wieder einen Müsliriegel zu vertilgen. Um künftige Bastelei zu verhindern, beschlossen wir, auf intensive Beinarbeit zu verzichten.

 

 

Nun endlich erreichten wir Hiddensees Westküste, deren nördliches Ende sich in weiter Ferne erahnen ließ. Bei etwas Gegenwind fanden wir in einen schönen Takt und ließen die Blicke über die herrliche Gegend schweifen. Gelegentlich kam ein kleines Motorboot vorbei gesaust und auch andere Paddler waren fast immer zu sehen. Nun jedoch schon deutlich vereinzelter unterwegs, als noch zu Beginn. Nachdem wir etwa 30 Kilometer der Gesamtstrecke zurückgelegt hatten, überholte uns ein Surfski Zweier aus der zweiten Startgruppe mit unglaublicher Leichtigkeit. Bald darauf passierten wir auch schon den nächsten Streckenposten, um uns dann der dringenden Frage des nötigen Landganges zu widmen. Da es schier unmöglich schien, noch bis zum empfohlenen Sandstrand am „Toten Kerl“, der Nordspitze, zu kommen, wählten wir vorab eine Bucht unterhalb der Steilküste. Das war eine steinige und um das Boot in der Brandung zu schonen, etwas zeitaufwendige Angelegenheit, welche die Weiterfahrt jedoch um einiges angenehmer machte. Bald war es wieder erforderlich sich an der Fahrrinne zu orientieren, Wind und Wellen schoben ein wenig von schräg hinten und so ging es flott voran durch den Vitter Bodden.

 

Und plötzlich, mitten auf dem Schaproder Bodden, kam der insgeheim befürchtete Moment: Stralsunds Kirchtürme sind in Sicht, jedoch mit gut 20 Kilometern Distanz noch so unglaublich fern!

Nun begann der wirklich anstrengende Teil der Tour, mit großen Anforderungen an die Ausdauer und das Sitzfleisch und deutlich spürbar an gehäuften Müsliriegel- und Trinkpausen. Wind und Welle hatten bereits ein wenig zugenommen. Obwohl an so einiges gewöhnt, hatten sich auf unseren Händen inzwischen eine Vielzahl an Blasen angesammelt, die allein das Greifen des Paddels zu einer Herausforderung werden ließen.

Gelegentlich noch kamen die unermüdlichen Paddler der zweiten Startgruppe in unserer Nähe vorbei. Schon fast nahe genug an der Stadt, um das Ziel sehen zu können, legten wir eine weitere Müsliriegelpause ein, um den Rest der Strecke im Anschluss entspannt bewältigen zu können. Aus den Augenwinkeln nahmen wir dabei jedoch eine Bewegung war. Ein Einer-Kajak nahte, von welchem wir uns so kurz vorm Ziel natürlich nicht überholen lassen wollten. Was sich als leichter gesagt als getan herausstellte. Als der Paddler unsere Höhe quasi mühelos erreicht hatte und klar war, um wen es sich handelte, wollte sich die eine Hälfte unser Zweierbesatzung trotzdem nicht geschlagen geben. So lieferten wir uns einem kräftigen Endspurt. Eine halbe Bootslänge später kamen wir wohl ins Ziel…plus die eine Stunde, die wir eher gestartet waren.

Gelandet, wurden wir herzlich begrüßt und uns wie dem Kajak vom Wasser geholfen. Nach entspannendem Duschen und dem Auffüllen mit viel Flüssigkeit und Leckereien von Büffet und Grill, verbrachten wir noch einige Zeit mit den anderen Paddlern und tauschten Erfahrungen aus.

Wir haben es geschafft- ein schönes Erlebnis und eine große Herausforderung. Und tatsächlich ein klein wenig schneller, als Floppe im Jahr zuvor allein-Puh!

Floppe & Caro

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